Landestypische Produkte und Kunst aus Rumänien

Von wegen „Schwarzmalerei“: Keramikwerkstätten in Marginea, nahe bei Sucevita in der Moldau, nutzen den dort natürlich vorkommenden schwarzen Ton als Ausgangsmaterial. Jeder Schritt ist in diesen Manufakturen traditionelle Handarbeit, jedes Stück also ein Unikat

Das Geschick der Töpfer ist bewundernswert. Durch Weichklopfen und -kneten einer anfangs unförmigen Tonmasse entstehen in wenigen Minuten an der Drehscheibe zunächst die Basis, dann die Wände mit ihren Rundungen und Wölbungen und schließlich ihre Verzierungen

Die Rohlinge warten in Regalen geduldig auf den Brennvorgang im Ofen, der wegen des behutsamen Aufheizens auf 1.000 °C bis 1.200°C 8 bis 12 Stunden dauern kann. Je höher die Temperatur, umso intensiver die schwarze Farbe. Das schonende Abkühlen im geschlossenen Ofen kann 24 Stunden übersteigen, um Blasen und Risse zu vermeiden

Das Ergebnis des Modellierens und Brennens sind intensiv schwarz gefärbte Teller, Krüge, Vasen usw. für den Alltagsgebrauch oder als Dekoration. Als Hobbykoch kommen mir spontan viele Möglichkeiten in den Sinn, Speisen auf schwarzen Keramiktellern anzurichten, als Flugpassagier mit 12 Tellern in dem aufzugebendem Gepäck massive Zweifel

Seit 1962 stellen 2 italienische Brüder auf dem Weingut Lechburg mit der schönen Adresse „Unnamed Road, Lechtina, Rumänien“ Bio-Weine auf traditionelle Weise her, die nach und nach durch moderne Produktionstechnologie unterstützt wird. Die in Rumänien weit verbreitete „Mädchentraube“ gibt es in verschiedenen Variationen, weiß, schwarz und königlich. U.a. bauen die Brüder noch Chardonnay und Gewürztraminer

Die anfangs noch verwendeten Weinpressen und -fässer sind heute Ausstellungsstücke, die ihre nostalgische Wirkung auf Besucher nicht verfehlen

Die Gärung der gepressten Trauben findet in großen Tanks statt. Der Großteil des Weins auf diesem Weingut ist Weißwein (80%), während Rotwein nur eine untergeordnete Rolle spielt. Eine kleine Menge Wein wird zu Weinbrand gebrannt, während die Unmengen an Trester nicht zu Grappa weiter verarbeitet werden, sondern in den Weinbergen als natürlicher Dünger ausgebracht werden

Es wird Ernst: Die Weinprobe beginnt mit einem Pro Secco, gefolgt von Chardonnay, weißer und königlicher Mädchentraube sowie einem Gewürztraminer. Die durch die Bank weg sehr trockenen Weine ohne Tiefgang – bis auf den Gewürztraminer – treffen zwar nicht den Geschmack unserer Gaumen, aber passen zumindest zu meinem trockenem Humor

Zu den Weißweinen werden spartanische Häppchen gereicht, weißer Weich- und gelber Hartkäse, denen meinerseits als Käseabstinenzler keinerlei Gefahr droht. Das Weißbrot mag zum Neutralisieren gut sein, zeichnet es sich doch durch einen neutralen Geschmack aus. Rumänien ist sicher kein Land für Experten auf Bäcker- und Konsumentenseite

Aus einer ausgedienten deutschen Schule neben der evangelischen Kirche in Hahnbach/ Hamba, nördlich von Hermannstadt, hat Imker Wilhelm Tartler eine Imkerei der besonderen Art geschaffen. Der sortenreine Bio-Honig, produziert von 300 Bienenvölkern mit ca. 1,5 Millionen Bienen, genießt weit über Rumänien hinaus hohes Ansehen – zu Recht, wie die spätere Verkostung zeigt

Bienenstände, Wabenrahmen, Nachzuchtkästen, Schleudern und Abfülleinrichtungen erfordern einen hohen Material- und Ersatzteilaufwand, für die die alten Nebengebäude bestens geeignet sind

Während die Bienenkästen für die Produktion in Wäldern und in Feldnähe stehen, dienen die Kästen auf dem Gelände der Imkerei vor allem der Zucht der Königinnen

Im Verkostungsraum, in dem während der Erntesaison auch geschleudert und abgefüllt wird, warten Kostproben von reinen Honigsorten aus Blüten von Linden, Akazien, Raps und Himbeeren, aber auch Mischungen wie Waldhonig oder Sommerblütenhonig sowie, z.B. mit Zimt, Ingwer oder Sanddorn, aromatisierte Honige

Die Diskussion mit dem erfahrenen Erzeuger über Bienenzucht, Honigherstellung, wirtschaftliche Entwicklung und Bedrohungen wie durch die mittlerweile weltweit verbreitete Virroamilbe und erste, biologisch basierte Maßnahmen dagegen, ist ausgesprochen interessant und verdient wie der Honig ein Extralob. 4 Gläser Akazien-, Linden- und Himbeerblütenhonig schaffen es – gut eingepackt – in das aufzugebende Reisegepäck und zu Hause auch wieder heraus

Gegen Ende der Rundreise, in Hermannstadt als letzter Station angekommen, haben wir Gelegenheit, mit einer Bauernfamilie der besonderen Art in Kontakt zu kommen. Nicht nur, dass eine kleine Landwirtschaft betreiben, nein, der Hausherr baut auch Kachelöfen, wie sie eine lange Tradition in Siebenbürgen haben

Traditionelle Muster sind ganz überwiegend blau-weiß, bunte Kacheln eher ungewöhnlich und oft im Kundenauftrag entstanden

Die Verzierungen und Kanten sind i.d.R. in reinem Weiß gehalten, was den Kachelöfen ihre typische kompakte Schrank- bzw. Kofferform verleiht

Kreative Farben, Formen und Kanten, das Wissen über Materialien und Brenn- sowie Glasurprozesse sowie die akribischen Arbeitsschritte ohne Maschinen lassen sich in einem Wort zusammenfassen, Kunsthandwerk

Im Kloster Agapia bei Gura Humora leben, beten und arbeiten um die 400 Nonnen und gilt als das größte Nonnenkloster weltweit. Neben landwirtschaftlichen Tätigkeiten in der Umgebung des Klosters werden im Inneren des Kloster Handarbeiten wie Weben und Stricken ausgeführt. Die Produkte werden verkauft und kommen dem Unterhalt des Klosters zu Gute, darunter einige Auftragsfertigungen wie z.B. Teppiche

An großen Webstühlen werden überraschend bunte Fäden verwoben, die wegen der Intensität der Farben vermutlich nicht mehr nur wie früher mit Naturfarben eingefärbt worden sind

Konzentriert arbeiten überwiegend ältere Nonnen in Vollzeit an Teppichen und Schals mit der Jahrhunderte alten Technik des Webens an vergleichsweise einfachen, wegen des Metalls modern wirkenden, manuellen Webstühlen

Rustikal geht es an Strickmaschinen, z.T. deutscher Herkunft, zu, die an diejenigen aus der eigenen Jugend erinnern, wo aus Garn oder alten Kleidungsstücken, die zunächst zu Garn umgearbeitet wurden, neue entstanden

Noch mehr Nostalgie kommt bei den Nähmaschinen auf – Modelle und Marken, die in der eigenen Kindheit Usus waren. Auf weltliche Geschwindigkeit und Produktivität kommt es im Kloster beim Dienst an dem Herrn natürlich nicht an

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