Chiles Seenlandschaft

Nach einem langen Tag erfolgt die Ankunft am Ziel, Puerto Guadal am „Lago General Carrera“, einem kleinen Dorf mit gerade einmal ca. 750 Menschen, spät abends. Dafür herrscht an diesem besonderen Abend, Silvester 2025, eine ganz besondere Stimmung. Nach dem Scheppern und Klappern durch Stein- und Schotterschläge am Unterboden des Minibusses tagsüber herrscht eine gerade himmlische, friedliche Stille

Traumhafter Blick zu Beginn des neuen Jahres in Puerto Guadal am zweitgrößten See Chiles, dem Lago General Carrera von einem kleinen Ressorthotel, dass – der Gegend angemessen – viele Outdooraktivitäten zu Wasser, auf dem Land und in der Luft anbietet. Die Auswahl fällt schwer, zumal die Zeit vor Ort bei einer Rundreise begrenzt ist

Aussichtspunkt beim Hotel auf das klare Wasser des großen, keineswegs ruhenden Sees und schneebedeckte Berge der Anden

Die Bevölkerungsdichte in Patagonien liegt bei 1-2 Menschen pro Quadratkilometer, eine Zahl, die die fantastische Weite unberührter Natur zwar sachlich korrekt, aber sehr nüchtern beschreibt. Natur, so weit das Auge reicht

Seen, Berge und vergleichsweise üppige Vegetation, so weit das Auge reicht, prägen die „Region de los Lagos“ entlang der Carretera Austral. Diese 1.300 km lange, überwiegend geschotterte Panoramastraße führt durch weite Teile Patagoniens, aber bei Weitem nicht bis zur Südspitze Chiles – da fehlen noch rund 1.000 km!

Auf der Fahrt zu den Marmorhöhlen bei Puerto Rio Tranquilo wird klar, warum die Chilenen diese traumhafte Landschaft entlang der überwiegend geschotterten Carretera Austral „Region de los Lagos“ genannt haben

Die Brücke über den Rio Tranquilo zwischen Puerto Guadal zeigt an, dass die kleine Ortschaft Puerto Rio Tranquilo nicht mehr weit ist. Klein, wie der Ort ist, ist er als Paradies für alle möglichen Wassersportarten weit über die Grenzen Patagoniens und Chiles hinaus bekannt

Kajakfahren ist eine sportliche Art, den morgens ruhigen, aber im Tagesverlauf durch teils heftige Winde zunehmend unruhigeren Lago General Carrera zu erkunden. Wesentlich bequemer ist die Fahrt in langen, flachen Motorbooten mit ca. 50 Passagieren, allerdings nur so lange, bis der Bootsführer von „Besuch bei den Marmorhöhlen“ auf „sportlichen Betrieb“ umschaltet. Mancher Tourist, der beim Einsteigen noch nach vorne zum Bug des Bootes drängelte, um ja den besten Blick zu haben, verliert ganz schnell seine frisch erworbene Urlaubsbräune (und manchmal auch noch mehr…)

Die „Marmorkapelle“ ist ein allein stehender Millionen Jahre alter Felsen, aus dem das peitschende Wasser seit Tausenden von Jahren Fragmente heraus wäscht und ihn so zu zu einem absoluten Hingucker macht

Am Ufer sind durch dieselben Auswascheffekte Höhlen entstanden, deren Decken stark an Tropfsteinhöhlen und mit Stalagtiten erinnern

An einigen Wänden kommen neben den reinen Auswasch- noch Reibungseffekte dazu, wobei kleinste abgewaschene Gesteinspartikel die Oberflächen über Jahrtausende schmirgeln und so für spektakuläre Muster sorgen

Die schmalen Boote mit wenig Tiefgang fahren teilweise in das Innere der Höhlen, um den Besuchern dieses Stück Natur besonders „nahe zu bringen“. Manches „Ah“ der Touristen gilt den Felsformationen, andere „Ahs“ dem eigenen Kopf, wenn sie nicht aufgepasst haben

Verschiedene Farben wie braun, orange oder grün im selten rein weißen Marmors rühren von verschiedenen Mineralien her, die u.a. Eisen- und Kupferverbindungen enthalten. Bläulich- bzw. grünlich erscheinender Marmor ist auf ein anderes Phänomen zurückzuführen, die hohe Reinheit des Kalzits und die Lichtbrechung im Wasser

Mit ein bisschen Fantasie kann man einen Hundekopf bei dieser Formation erkennen oder den Vorderteil einer Schildkröte. Selbst ein Hauch von E.T. ist denkbar

Wieder (sehr) festen Boden unter den Füßen, geht es abseits der hier gerade noch geschotterten Carrertera Austral auf einen steinigen Pfad, der 20 bis 30 min abwechselnd bergauf und bergab an eine zunächst karge Felswand führt. Die Geräuschkulisse ist besonders: Es gibt eine Kolonie grüner, aus Argentiniern eingewanderter Papageien (patagonische oder Felsensittiche) „mit sehr hohem Mitteilungsbedürfnis“

Die „Las Manos de Cerro Castillo“ sind ca. 3.000 Jahre alte Felsmalereien in Überhängen dieser Felswand in der Nachbarschaft des unscheinbaren Ortes Villa Cerro Castillo. Dieser zeichnet sich durch das Ende des asphaltierten, nördlichen Teils der Ruta 7, der Carretera Austral oder den Beginn der Schotterpiste nach Süden, aus, sowie durch rund 400 Einwohner, 3 Minimärkte und 1 Tankstelle (seit 2-3 Jahren)

Genaues Alter und genauer Zweck der überwiegend roten, „positiven“, d.h. direkten, und „negativen“, d.h. mit Schablonen erzeugten, Handabdrücke sind nach wie vor nicht ganz klar. Ihre Herkunft ist dagegen sicher: Sie wurden von Tehuelches geschaffen, einem indigenen Volk von Jägern und Sammlern

Im Gegensatz zu den ca. 3.000 Jahre alten chilenischen Malereien stellen die etwa 9.000 Jahre alten argentinischen auf der Ostseite der Anden neben Händen auch für Tehuelches typische Motive wie die Guanako- und Nandujagd dar. Warum sich die chilenischen Einwohner auf die Darstellung von Händen beschränkten, ist ein weiteres Mysterium

Nach einem weiteren, ereignisreichen Tag in der Seenlandschaft gibt es abends ein Stück Pampas- und Gouchokultur: Ein Asado, am offenen Feuer über Stunden gegartes Fleisch

Lamm gehört zu den beliebtesten Fleischsorten für ein Asado. Es wird ca. 4-5 h vor der Glut eines offenen Feuers gegart, gelegentlich umgedreht und nur mit Salz gewürzt, um den natürlichen Fleischgeschmack zu betonen – eine frühe, erfolgreiche Art des Niedrigtemperaturgarens

Tags:

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Neueste Kommentare