Chiles tiefer Süden

Punta Arenas ist mit rund 150.000 Einwohnern die südlichste Großstadt der Welt und für Fischerei, Schafzucht, Hafen und Tourismus bekannt. Charme hat die ehemalige Strafkolonie, 1848 gegründet, kaum, aber einige bemerkenswerte Besonderheiten zu bieten

An der Promenade direkt an der Magellanstraße stößt der Besucher auf diverse maritime Denkmäler, die an die Entdeckung der Magellanstraße, Seefahrer und Seefahrtgeschichte erinnern. Fast immer vorhandene Wolken und Winde am Ufer mit Blick auf Feuerland im Hintergrund vermitteln die passende Stimmung

Renovierte Schiffstrümmer und Statuen historischer Seefahrer ergänzen die Denkmäler entlang der Promenade. Diese reicht vom nicht übermäßig betriebsamen Zentrum zu einem ruhigen Wohnviertel. Den für die Region typische Baustil sind ein- bis zweistöckige Holzhäuser mit Blechdach, „zweckmäßig“ …

Am Ende der Promenade beeindruckt die  Skulptur „Circunnavegación“, die an die Weltumsegelung von Magellan erinnern soll, mit 17-18 m Höhe, einem Durchmesser von 12 m und einem Gewicht von 25 Tonnen. Sie erinnert seit 2020 an die Entdeckung der Magellanstraße vor 500 Jahren. Die Einweihungsfeier musste allerdings wegen der Covid-19-Pandemie um Jahre verschoben werden  

Abschiedsblick auf die heute für die Schifffahrt und Orcas bei ihrer Wanderung immer noch bedeutende Magellanstraße mit Feuerland am Horizont

Ein geschichtsträchtiger Ort, der an die Einwanderungsgeschichte von Punta Arenas mit vielen Kroaten, Deutschen, Engländern und Italienern Mitte des 19 JH erinnert, ist der Friedhof „Cementerio Municipal Sara Braun“, der als einer der schönsten in Südamerika gilt

Prunkvolle Mausoleen, Familien- und Einzelgräber, für diejenigen, die es sich leisten konnten und können, reihen sich dicht an dicht zwischen Alleen von konisch geschnittenen Zypressen

Die Särge weniger Wohlhabender finden ihre letzte Ruhestätte in mehrstöckigen Wänden, die den Friedhof an der Seiten begrenzen. Diese erinnern an unsere Urnenwände, allerdings – berufsbedingt – weniger romantisch auch an Hochregallager

Das „Museo Nao Victoria“ beherbergt 3 Nachbauten historischer Segelschiffe. Die Nao Victoria (Bild) war Ferdinand Magellans Flaggschiff zwischen 1519 und 1522. Die HMS Beagle war das Schiff, auf dem Charles Darwin 1831-1836 segelte, als er die Galapagos-Inseln besuchte. Die Ancud war das erste chilenische Schiff, das im Jahr 1843 die Antarktis erkundete

Bug und Bugspriet (Klüverbaum) der Nao Victoria bei morgendlichem Kaiserwetter, einer Seltenheit in Punta Arenas

Takelage der Nao Victoria bei gerade noch wolkenfreiem, blauen Himmel

Die Inneneinrichtung der Nao Victoria war spartanisch und wurde anfangs von rund 250 Männern genutzt. Bei der Rückkehr nach Spanien nach der dreijährigen Weltumsegelung waren gerade einmal 18 Männer der Besatzung an Bord, die Unfälle, Krankheiten und kriegerische Auseinandersetzung unterwegs überstanden hatten

Aus heutiger Sicht ist es eine herausragende Leistung, die das Schiff vor 500 Jahren erbrachte. Genauso bewundernswert ist die Bauweise und Einrichtung mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln, Techniken und Instrumenten, die für diese Replika originalgetreu wie möglich nachempfunden wurden

Szenenwechsel nach Puerto Natales am „Kanal der letzten Hoffnung“. Dieser Fjord war 1557 die letzte Hoffnung des Spaniers Juan Ladrilleros auf seiner Expedition, doch noch den Eingang in die Magellanstraße zu finden. Der Ort, 3 Stunden mit dem Bus nördlich von Punta Arenas, hat rund 20.000 Einwohner, ist Zentrum der wenig besiedelten Region und vor allem als Ausgangspunkt zu Outdoor-Aktivitäten in die Berge, zu Gletschern und ins Wasser bekannt

Der Weg in DEM Nationalpark Chiles schlechthin aus meiner Sicht, dem Torres del Paine, ist anspruchsvoll, weniger wegen des Schotters, sondern wegen der vielen Schlaglöcher. So bleiben Minibus und Reisegruppe an Bord „immer in Bewegung“. Dafür führt der Weg an fantastischen Landschaften vorbei, zu Aussichtspunkten und direkt an einzelne Naturschönheiten wie Seen, Lagunen, Berge und Gletscher sowie zu den von der Anzahl aber nicht vom Preis her limitierten Hotels und Campingplätzen

Der Torres del Paine ist ein weltweit bekanntes Paradies für Trekker – bei dem Anblick ist klar, warum. Egal ob Tagestouren oder ausführliche Touren von bis zu einer Woche, das Angebot ist riesig, aber zum großen Teil anspruchsvoll bis extrem anspruchsvoll – selbst für erfahrene Kletterer und Wanderer

Die Qual der Wahl – das ist die Gemütslage bei den vielen wechselnden Motiven. Berge, Süß- und Salzwasserlagunen, von Bergen gespeiste Süßwasserseen und immer in Bewegung befindlichen Wolkenformationen. Natur pur vom allerfeinsten

Die Bergkette mit den – oft wolkenverhangenen – 3 Türmen in der Mitte aus Granitgestein gab dem Nationalpark seinen Namen und ist seine meistbesuchte und durchwanderte Attraktion. Sie sind 2.600 m bis 2.850 m hoch und damit nur unwesentlich niedriger als der höchste Berg Cerro Paine Grande links davon mit ca. 3.050 m

Der Nationalpark wartet mit einigen Wasserfällen auf, die oft Terrassen ähneln und alle nicht sehr hoch sind, aber dennoch der atemberaubenden Landschaft einen zusätzlichen Reiz vermitteln

Das letzte Highlight im Nationalpark Torre del Paines ist ein Ausflug auf einem Katamaran auf dem Lago Grey zum gleichnamigen Gletscher. Hin- und Rückfahrt dauern jeweils eine knappe Stunde, die auf dem Deck nur mit Stiefeln, warmer Hose, Pullover, dicker Jacke und – wer mag, aber nicht fotografieren will – Handschuhen zu ertragen ist. Es ist weniger die Temperatur als der Wind, der für die körpereigene Eiszeit sorgt

Die Belohnung ist der Anblick auf die 3 Zungen des Grey Gletschers aus der Nähe. Durch teilweise Absorption des Lichts und Reflexion seines Blauanteils erscheinen die dichten, aus reinem Eis bestehenden Gletschermassen hellblau

Von den Gletschern brechen regelmäßig Teile ab und schwimmen als Minieisberge in den Lago Grey. An Bord des Katamarans wurde ein Stück einer Eisscholle zweckentfremdet: Zerkleinert wurde sie zum Bestandteil des für Chile typischen Getränks, einem leckeren Pisco Sour

Tags:

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Neueste Kommentare