Pflanzen und Tiere auf den Azoren
Das höchste aller Gefühle bei der Begegnung mit in Freiheit lebenden Tieren ist zweifellos die Sichtung von Walen, die heutzutage schonend durchgeführt wird. Echolots, die die empfindlichen Hörorgane der Wale stören, sind abgeschafft. Statt dessen gibt es an Land Walbeobachter auf Türmen, die mit Ferngläsern und Teleskopen z.T. in 50 km Entfernung die typischen Fontänen der Wale entdecken und ihren Standort an die Boote mit Meeresbiologen und Touristen melden

Die ersten beiden Blauwale, die ich zu sehen bekommen habe – beeindruckend und herausfordernd, den richtigen Moment zu finden, weil sie nur kurz zum Atmen an der Meeresoberfläche schwimmen

Bei der Gelegenheit pupsen die mächtigen Tiere auch gelegentlich, sehr zur Freude der Meeresbiologen. Sie stürzen sich mit Begeisterung auf die Swimmingpool-großen Hinterlassenschaften, um dort Proben zu sammeln und später auszuwerten. Muss man mal mitgemacht haben

Das Highlight war einer der Blauwale beim Abtauchen in eine Tiefe von ca. 330 m – 400 m, wo er 15 min bleiben und Nahrung suchen kann, bevor er wieder zum Atmen – und ggf. mehr – an die Wasseroberfläche kommt

Mein persönlicher Favorit ist die Paradiesvogelblume oder Strelizie, die (welt-)weit verbreitet und immer ein Hingucker ist

Ebenso wie die Strelizie stammt die Calla ursprünglich aus dem Süden Afrikas, ist mittlerweile aber ebenfalls weit verbreitet. Ihre Familie „Ahornstabgewächse“ wird m.E. ihrem ästhetischem Aussehen eher gerecht als ihr Aliasname Schweinsohr

Nicht nur ästhetisch, sondern geradezu majestätisch schwimmt ein Paar schwarzer Schwäne auf dem Teich am Marktplatz in Hora/ Faial. „Schwanensee“ inklusive natürlicher Festbeleuchtung

Nicht halb so beliebt wie Schwäne und Callas ist der aus Südamerika stammende, sich überall ausbreitende Riesenrhabarber oder Wilde Rhabarber, dessen Blätter manchen Tisch komplett bedecken können oder den Nachbarpflanzen das Licht rauben. Nicht nur wegen der zahllosen Stacheln ist er sehr widerstandsfähig und schwer auszurotten

Auf seine Nachbarschaft passt der coolste Wachhund von Pico, ein Labrador Retriever, auf. Wenn neugierige Touristen aus den Weinfeldern zurück in die Stadt kommen, bellt er pflichtschuldig mit einer tiefen Bassstimme, hat aber wohl nicht die Absicht, seinen Logenplatz zu verlassen

Ähnlich vielseitig wie ihre Farben sind die Namen der Jacobinia, die u.a. als Federblume, Zimmerhopfen oder Königskrone bekannt ist. Auch sie wurde auf den Azoren eingeführt, aus Südamerika kommend

Auf und in den Lavasteinmauern, die – neben den Hortensienhecken – die allgegenwärtigen Weiden und die Parzellen für den typischen Weinanbau in Pico umrahmen, finden Hunderte von gut getarnten Eidechsen Unter-schlupf. Mal wärmen sie sich auf, mal schnappen sie nach Insekten und plötzlich huschen sie wieselflink ein, zwei Meter die Mauer entlang, um in Nischen, Spalten und Löchern unterzutauchen

Eine besonders hübsche Blume ist die Streichholz-Bromelie mit ihren rosa Blättern und blauen Blüten, wie viele andere Pflanzen auch ein Import aus Südamerika. Zu den Vertretern der Bromelien gehört u.a. auch die Ananas, die als sehr geschmacksintensive Baby-Ananas in Gewächshäusern auf Sao Miguel kultiviert wird und bis zur reifen Frucht fast 2 Jahre benötigt, was ihren hohen Preis erklärt

Möwen investieren nicht viel in den Nestbau für ihren Nachwuchs. Es kommt vor, dass in der Vor- und Nebensaison, wo kaum Menschen an abgelegene, von Lavagestein geprägten Küsten kommen, Stellen mitten auf dem kargen Weg ausgesucht werden. Da es keine Raubtiere auf den Azoren gibt, macht nur der Tourist mit der Kamera „Jagd“ auf die Tiere

Ein optisches Highlight ist der rote Säulenkaktus, der oft an oder auf Lavasteinmauern anzutreffen ist. Die einen schreiben die lila Farbe dem Schutzmechanismus der Pflanze vor der Sonne zu, wie z.B. auch beim Eukalyptus und der Glanzmispel, andere einer mangelnden Versorgung mit Nährstoffen. Egal wie, rote/ lila Kakteen sieht man nicht überall

Scheinbar federleicht erhebt sich der Silberreiher aus dem Brackwasser am Hafen von Hort (Faial). Er gilt als Kosmopolit, der weltweit vorkommt. Während der Nahrungssuche stolziert er regelrecht durch flaches Wasser und pickt seine Nahrung durch schnelles Zuschnappen mit seinem gelben Schnabel auf

Die Tillandsie oder Luftpflanze stammt ursprünglich auch aus Südamerika und hat im Gegensatz zu den meisten Blumen keine Erdwurzeln, sondern findet Halt an Bäumen, Steinmauern usw. Entsprechend bekommt sie ihre Nährstoffe nicht über die fehlenden Wurzeln, sondern über ihre markanten roten Blätter, die blau-violette Blüten tragen
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