Sao Miguel – Hauptinsel der Azoren

Sete Cidades bietet den wohl atemberaubendsten Blick auf gleich zwei voneinander getrennten Seen, den blauen und den grünen See. Sie verdanken ihre Farben unterschiedlichen Tiefen, Algenbewuchs und Spiegelungen von Wald bzw. Ebene – vor allem bei Sonnenlicht

Wasser wurde in der Vergangenheit von den Bergen mit feuchten Lorbeerwäldern, regelrechten Wasserspeichern, über Aquädukte in die Ebene zu Siedlungen und Feldern geleitet. Genügend Wasser ist ein Grund, warum Sao Miguel überall grün ist. Der ehemals Getreideanbau hielt sich nur wenige Jahrzehnte auf der Insel, bevor die Böden erschöpft waren. Heute ist Rinderzucht ein wichtiger Pfeiler der Wirtschaft. Hauptprodukte und -exportartikel sind Fleisch und Käse

Auch der Teeanbau gelingt auf Sao Miguel, trotz der relativ geringen Höhenlage. Die dort herrschenden Temperaturen und Luftfeuchtigkeit werden auf den Azoren durch das Atlantikklima wettgemacht

Bei unserem Besuch im März 2026 begann gerade die Erntezeit. Alle 14 Tage werden die jungen Triebe geerntet, so dass ca. 10 Mal im Jahr geerntet werden kann. Die maschinelle Ernte ist bedingt möglich, erfordert aber eine präzise Einstellung der Schnitthöhe, da nur junge, nach oben schossende Triebe geerntet werden sollen

Die Topologie der Insel ist durch ihre drei großen, unterschiedlich alten Vulkane geprägt. Verwitterung von Lavagestein und das feuchte, kühle bis mittelwarme, über das Jahr relativ stabile Klima haben im Laufe der Zeit zu fruchtbarem Boden und reicher Vegetation geführt. Felder werden oft durch Mauern aus Lavasteinen oder später im Jahr blau blühende Hortensienhecken begrenzt

Im Dorf Furnas gibt es viele heiße Quellen und Fumarolen, darunter auch einige, die erst im Entstehen sind, Hinweis auf den aktiven Vulkanismus auf der Insel. Eine Art der Nutzung der Geothermie ist das Kochen von landestypischen Eintöpfen, z.B. dem Cozido das Furnas, in großen Metall- oder Keramiktöpfen, die über mehrere Stunden in Erdlöchern vergraben werden und dort garen

Die in Lava und Vulkangestein enthaltenen Mineralien und Flechten illustrieren die Quellen z.T. mit schönen, ganz natürlichen Farben. Während Chemiker, Geologen und Mineralogen auf ihre Kosten kommen, rümpft der eine oder andere Tourist bei den schwefelhaltigen Dämpfen die Nase

Feuchtigkeit prägt auch den imposanten botanischen Garten mit einer Riesenauswahl an endemischen, aber auch vielen weltweit verbreiteten Pflanzen im Zentrum der Insel. U.a. finden sich einige feuchte, muffig riechende, aber optisch attraktive Grotten, die auch als Behausung von frühen Bewohnern hätten dienen können

Das hügelige Gelände des botanischen Gartens in der Nähe von Furnas wird von dem einen oder anderen Wasserlauf/ Wasserfall durchquert. An ein, zwei Stellen kann man darin baden, ebenso wie in den z.T. durch Erdwärme angenehm warmen, aber braunen Naturpools. Pflanzenliebhaber und Touristen auf der Suche nach Natur pur und Entspannung kommen hier auf ihre Kosten

Natürlich prägen auch die Küsten die Insellandschaft. Einige sind relativ flach und werden von eher ruhigem Meerwasser umspült …

… andere sind rauerem Wasser, Wind und Wetter und damit der Erosion ausgesetzt, die zu bizarren Gesteinsformationen führen kann. Wie Stürme mit ca. 6 m hohen Wellen und Temperaturen um 5 Grad Celsius aussehen können, haben wir später während unserer Reise auf der Insel Terceira gesehen
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