Pico: Vulkan und Weinanbau

Der der Insel den Namen gebende Vulkan Pico ist das Highlight der Insel und auch von den Nachbarinseln Faial und Sao Jorge immer wieder ein begeisternder Blickfang. Wegen des ständig wechselnden Wetters und der Bewölkung scheint er zig mal am Tag seine Kragen und Decken zu wechseln, die ihn bedecken bzw. umgeben

Vor dem Hafen Picos liegt nach einer Fährfahrt von 30 min von Faial aus auf der rechten Seite einer von zwei markanten Felsen. Je nach Licht und Schatten sehen die Einheimischen eine schlanke Frau mit langen Haaren oder einen auf der Schwanzflosse stehenden Delfin in der zentralen Spalte des Felsens

Sein Pendant, der zweite Felsen, ist zwar kleiner und nicht so spektakulär wie der große, langgezogene Felsen, markiert aber mit ihm zusammen die weltweit unverwechselbare Einfahrt in den Hafen von Pico und bietet ebenfalls Seevögeln wie Möwen und Gelbschnabelsturmtauchern Unterschlupf

Gleich hinter dem Hafen von Madalena, dem Hauptort auf Pico, fängt das größte Weinanbaugebiet der Insel an. Die Besonderheit, die zum UNESCO Weltkulturerbestatus geführt hat, liegt in dem Anbau weniger Reben in Parzellen, die durch Lavasteinmauern abgegrenzt sind und den Reben im Atlantikklima die notwendige Wärme zuführt

Zu den Rebsorten, die auf Pico angebaut werden, gehören die eher Weinkennern bekannten Verdelho, Arinto dos Açores und Terrantez do Pico. Die lokalen Weißweine sind sehr trocken, aber durchaus fruchtig und mineralisch. Die obligatorische, urige Weinprobe war sehr nett, wobei Geschichte und (geringe) Wirtschaftlichkeit des Weinanbaus auf Pico diskutiert wurden und Übereinstimmung herrschte, den optimalen Weißwein für einen Sauerbraten mit Puten- oder Kalbfleisch gefunden zu haben

Eine weitere Besonderheit ist die Lage vieler Weinbauparzellen in Meeresnähe, wodurch die Gischt auf große Teile der Weinreben niederrieseln kann, ungewohnt, aber ein Beitrag für den besonderen Geschmack der lokalen Weine

Nur wenig später geht es bei Kaiserwetter entlang der Küstenstraße über die Insel, mit z.T. attraktiven Perspektiven auf die typische Topographie und Botanik

Schroffe Gesteinsformationen aus Tuff- und gelegentlich Basaltstein, alle vulkanischen Ursprungs, prägen auch die Küsten Picos. Sandstrände Fehlanzeige, aber einige „natürliche“ Felsenpools werden gerne von Einheimischen genutzt, die einiges Geschick brauchen, um ohne Schrammen zu ihnen und wieder zurück zu kommen, zumal die Felsen nicht nur scharfkantig, sondern in Wassernähe nass und glitschig sind. Der Azore geht übrigens bei Temperaturen von 14 °C bis 15 °C schon von Sommer aus und ins Wasser. Respekt für beide Leistungen

Eine der größten Berühmtheiten auf Pico ist Cachorro, eine von der Natur geschaffene Skulptur in Form eines Hundekopfes im Norden der Insel, der man sich über die schroffen Felsen und Steine lieber mit dem Teleobjektiv als zu Fuß nähert

Früher oder später trifft man auf eine von rund 30 Windmühlen auf Pico, die flämischen (4 Flügel) oder portugiesischen (8 Flügel) Ursprungs sind. Ob der Architekt bei der Farbauswahl sein Pensum an lokalem, sauren Wein intus hatte, ist nicht überliefert

In Lajes do Pico, einem kleinen Ort für Walbeobachtungen ganz im Süden und im Zentrum der rund 45 km langen und ca. 15 km breiten Insel, erinnert das Walfangmuseum an die erst in den 80-er Jahren beendete Waljagd. Daneben begeistert der Ort mit der Perspektive auf eine Windmühle mit Blick über die See auf den Vulkan Pico …

… und einem Blick vom kleinen Segelhafen durch einen Torbogen mit einem für die Azoren typischen, grün-weißen Leuchtsignal auf der einen Seite einer Hafeneinfahrt ebenfalls auf den majestätischen Berg – unser Abschiedsblick von dem Schmuckstück der Azoren, der Insel Pico

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