Terceira: Viehzucht, Lavahöhlen und raue Brandung

Ein spektakuläres Beispiel für das Wirken der Natur sind die Lavatunnel im Zentrum von Terceira,  Gruta do Natal unweit von Angra do Heroismo. Vulkanausbrüche mit unterschiedlich schnell aushärteten Lavakrusten auf der Oberfläche und schneller fließenden, langsamer bis gar nicht vor Ort aushärtenden Lavamassen im Inneren sorgten für das Entstehen einzigartiger Lavatunnel über eine Länge von fast 700 m, von denen nicht alle besichtigt werden können

Der Besuch erfordert Schutznetz und -helm sowie gute Schuhe und eine Regenjacke. Überall unebener Boden, scharfe Kanten mineralhaltigen Gesteins und tropfende Felsspalten, in denen sich Flechten wohl fühlen – und das alles wenige Meter unter der Erde. Nach der Entstehung der ursprünglich oberirdischen Tunnel führten weitere Vulkanausbrüche, Lavamassen, Asche und die Vegetation zur neuen, teilweise nicht sehr stabilen Erdoberfläche, ein Grund, warum bestimme Bereiche des Tunnelsystems unzugänglich sind

Wie überall auf den Azoren tragen Mineralien, Gesteinsarten, Wasser und primitive Pflanzen zu beeindruckenden Farben der Natur bei, selbst unter dem Erdboden ohne Tageslicht

Die allgegenwärtige Feuchtigkeit zeigt sich auch durch den intensiven Bewuchs der ubiquitären Lavasteinmauern auf den Azoren, die …

… zusammen mit den moosbewachsenen, eng stehenden Wäldern an den „Herr der Ringe“, den „Hobbit“ und an die Heimat von Elfen, Trollen und Zwergen in Island erinnern

Weiter führt der Weg über große, für die Azoren ungewöhnlich flache Flächen, auf denen intensiv Viehzucht betrieben wird. Sie werden durch die typischen Lavasteinmauern vor Wind geschützt und zeigen Rindern und Stieren „ihre Grenzen auf“. In Terceira wird die Kunst des ursprünglichen portugiesischen Stierkampfes ohne das Töten der Tiere auf Gassen in Ortschaften und gelegentlich in der neuen Stierkampfarena nach wie vor gepflegt.

Die Kirche im gleichnamigen Ort Sao Sebastiao ist ein Stopp wert, auch wenn die sich äußerlich kaum von anderen Kirchen auf den Azoren unterscheidet. Der Stil mit weißen Wänden, braunem Holz und Verzicht auf viel Prunk ist allgegenwärtig. Die Ausnahme hier sind die an Schießscharten erinnernden Fenster – in der Tat wurde diese Kirche als Wehrkirche gegen Piraten und Plünderer gebaut

Im Inneren der Kirche weisen beide Wände entlang des vorderen Kirchenschiffs großflächige Fresken auf. Zum Teil sind sie im Laufe der Zeit mehr oder weniger stark beschädigt worden, geben aber dadurch den Blick auf die verschiedenen Schichten darunter frei. Mauerwerk, Putz, eine Schicht mit Kalkfarbe als Untergrund und die eigentliche Farbschicht mit den Fresken erzählen Experten eine Menge über die Entstehung und Materialien dieser Kunstwerke

Einzelne Motive und Szenen wechseln sich bei den Fresken ab, manche sehr gut erhalten, manche Kandidaten für Restaurierungen. In jedem Fall beindruckend für die Kirche eines Dorfes mit nur rund 2.500 Einwohnern

Der Spruch, dass das Wetter sich auf den einzelnen Azoreninseln 4-6 Mal am Tag ändern kann, hat seine Bewandtnis: Zum Abschluss des Tages und einer wunderbaren Reise über 5 Azoreninseln ging es am späten Nachmittag bei auf 5 °C gefallenen Temperaturen und erheblichen Stürmen an die raue Küste, wo Stürme mit bis zu 8 m hohen Wellen erwartet wurden. Selbst wenn die Wellen gefühlt nur 6 m hoch waren, der Augenblick war fantastisch: Nasskaltes Wetter, Spray im Gesicht, die Natur in blau-grau, nur unterbrochen durch weiße Gischt, klamme Finger, rote Nasen und ein Naturschauspiel

Begriffe wie die „Macht der Wellen“ und „der Fels in der Brandung“ werden in diesen Momenten beeindruckend anschaulich – zum Genießen auch oder gerade wegen des nasskalten, stürmischen Wetters

Zum Höhepunkt des Sturmes scheinen Wellen, Brandung und Gischt mit dem Himmel verschmelzen zu wollen – auch ein würdiger Höhepunkt einer tollen Reise zu fünf unterschiedlichen, hoch spannenden Inseln am westlichen Ende Europas

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