Stippvisite in Almaty, Kasachstan

Die sowjetische Vergangenheit ist in Zentralasien, so auch in Almaty, überall spürbar, in der Anlage der Städte in „Planquadraten“, protzende Prunkbauten mit Plattenbaucharme und martialische Kriegsdenkmäler. Für sich betrachtet ist das Heldendenkmal im Panfilow-Park ein imposantes Kunstwerk, das an 28 gefallene Helden (Soldaten aus Almaty) des 2. Weltkriegs erinnert

Nur wenige Meter entfernt befindet sich ein kleines Museum mit traditionellen, kasachischen Musikinstrumenten, wie sie – z.B. Saiteninstrumente – u.a. die Nomadenvölker aus ihnen zur Verfügung stehenden Materialien wie Aprikosenholz, Tiersehnen, -haut und -därmen herstellten und spielten. Die Holzarchitektur war in Zentralasien sehr beliebt, und einige Beispiele dafür haben bis heute überlebt

In der Eingangshalle begrüßt ein Mobile aus Notenblättern die Touristen. Gelegenheit, einige der traditionellen Instrumente zu hören, bekamen wir wenige Tage später in Kirgistan in zwei Restaurants beim Abendessen (LINK)

Das schönste Beispiel russisch-orthodoxer (Holz-)Kirchenarchitektur ist die Christi-Himmelfahrt-Kirche, ebenfalls um die Ecke des Kriegsdenkmals gelegen. Nach bewegter Geschichte vor, während und nach dem kommunistischen Regime, dient sie heute wieder religiösen Zwecken, wie wir anschaulich zu sehen bekamen

Frontansicht der Christi-Himmelfahrt-Kirche bei Kaiserwetter in Almaty. Sie ist eine der größten Holzkirchen des Landes, was sie bei dem einen oder anderen Erdbeben vor größeren Schäden bewahrte

Typisch für russisch-orthodoxe Kirchen sind Kuppeln und Kreuze mit einem zweiten, schrägen Fußbalken

Das Innere der Kirche ist ausgesprochen prunkvoll – schließlich ist die wieder auferstandene Kirche (im Kommunismus geschlossen, „entkernt“, später als Museum und Bibliothek genutzt, erst seit 1994 wieder Kathedrale) ein Wahrzeichen Almatys

Die Farbkombination von Rot und Gold ist in russisch-orthodoxen Kirchen allgegenwärtig, weil Gold als „Himmlisches Licht das himmlische Reich und das absolute, überirdische Licht Gottes“ repräsentiert, und Rot für „das vergossene Blut Jesu, den Märtyrertod, göttliche Liebe und lebendige Energie“ steht

DAS spirituelle Highlight unseres Besuches in Almaty: Die Trauungszeremonie eines jungen, glücklichen Paares durch orthodoxe Priester in vollem Ornat, zu dem reichlich verzierte Unter- und Obergewand, Stola, Stulpen, Tüchern und Gürtel gehören. Dazu die feierliche Musik und Stimmung in der Kirche – beeindruckend!

Der überdachte Basar in Almaty heißt Grüner Basar – nach dem Angebot an frischem Obst und Gemüse. Ein Bummel über den sehr aufgeräumten, modernen Markt lohnt sich, auch wenn überraschend viele bei uns bekannte und nur wenige „exotische“ Lebensmittel angeboten werden, ein Bild, das sich in Restaurants und bei Familien, die Abendessen für Gruppen ausrichten, wiederholt

Zentralasien ist berühmt für seine getrockneten Früchte, allen voran Aprikosen. Sie, Feigen, Datteln u.a.m. wird seit Jahrhunderten geschätzt, u.a. als sprichwörtlich leicht zu transportierende, kalorienreiche Nahrung der Karawanen, die die Seidenstraße entlang zogen

Die imposante Zentralmoschee fasst 7.000 Gläubige und erst ca. 30 Jahre alt. Nach der Auflösung der Sowjetunion vollzogen die neuen, unabhängigen Staaten Zentralasiens den Systemwechsel u.a. mit vielen, großen Neubauten, um auch optisch den „Plattenbau und Planquadratcharme“ des alten Systems loszuwerden

Wie üblich, sind Gebetsräume für Männer und Frauen getrennt. Das Innere der Zentralmoschee ist nicht so prunkvoll, wie die Moschee von außen erwarten lässt, vielleicht weil sie zu den sog. „Alltagsmoscheen“ in Ergänzung zu reinen Freitagsmoscheen und zeremoniellen Moscheen zählt

Die Moschee ist 2-stöckig. Über den Gebetsräumen wurden großzügige Arkaden gebaut, die der Moschee eine gewisse Erhabenheit verleihen

Wie in vielen großen Moscheen in der islamischen Welt imponiert der zentrale Leuchter, der hoch über dem (Männer-)Gebetsraum hängt, aus Kristallen und Kupfer gefertigt ist und stattliche 5 m Durchmesser misst. Sein Pendant in der Zentralmoschee in der neuen Hauptstadt Astana ist um ein Vielfaches größer, misst 23 m im Durchmesser und wiegt sagenhafte 27 Tonnen. Damit gilt er als einer der größten Leuchter der Welt – ein Besuchsziel für das nächste Mal
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