Weltkulturerbe Kloster Riga, Bulgarien

Das etwas abgelegene, bulgarisch-orthodoxe Kloster in den Rilabergen wurde bereits im 10. JH errichtet und begeistert durch seine Architektur, Kunstausstellung und der – speziell frühmorgens – mystischen Stimmung in den Bergen. Eine Übernachtung in einer ehemaligen Mönchszelle ist ein ganz besonderes Erlebnis

Das vierstöckige Kloster hat entlang der einzelnen Gebäude und als Verbindung zwischen den Gebäuden umlaufende Balkone. Die Stockwerke sind über z.T. einfache, steile Treppen miteinander verbunden und verfügen über erkerartige Balkone mit Blick auf den Innenhof

Ein Blick auf die Erker erfasst auch die vielen kleinen, gemauerten Kamine auf den Dächern der Gebäude, ein typisches Stilelement für sakrale und private historische Bauten in Bulgarien, dem sogenannten „Wiedergeburtsstil“. Er ist eine Mischung aus traditionellen Elementen und aus solchen, die nach Ende der osmanischen Ära aus dem Westen übernommen wurden

Die einladenden Balkone – kulturell nicht ganz passend, aber trotzdem an asiatische Teepavillons erinnernd – luden früher zum Sinnieren und heute zum Verweilen und Fotografieren ein. Sie sind leider z.T. gesperrt, was aber einen Vorteil hat: Es gibt so viel zu sehen, dass längere Pausen bei gegebener Zeit schade wären

Die Bilder an Wänden und Gängen stellen religiöse Szenen dar und sind mit viel Liebe zum Detail entstanden. Entsprechend aufwändig wurden sie restauriert bzw. werden sie gepflegt, um sie Gläubigen und Besuchern noch möglichst lange zeigen zu können

Wie auch in anderen Kirchen und Klöstern in Bulgarien stellen die Bilder nicht nur Einzelmotive dar, sondern erzählen fortlaufende Geschichten oder Kapitel aus sakralen Büchern

Eine ganz andere Frage beschäftigte mich als Chemiker mit Affinität zu Lacken und Farben: Wie und woraus haben die lokalen Künstler vor Hunderten von Jahren ihre Farben natürlichen Ursprungs hergestellt, die Brillanz erzeugt und die Dauerhaftigkeit sichergestellt? Diese unterscheiden sich deutlich von Farben anderer Regionen im Balkan und erforderten offensichtlich vorhandene, spezielle Kenntnisse

Der Hrelja-Turm mitten im Kloster zeugt von den unruhigen Zeiten vor und während des 14. Jahrhunderts, in dem er errichtet wurde. Er wurde als Verteidigungsturm gegen plündernde Bande geplant und gebaut und wurde später auch für sakrale Zwecke genutzt

Das spartanische Leben in Klöstern der letzten Jahrhunderte kann man sich als Übernachtungsgast in einer der ehemaligen Zellen lebhaft vorstellen. Die kalte, aber frische Bergluft, einfache Möbel, kratzende Bettdecken und flache Kopfkissen regen die Fantasie über längst vergessen Zeiten und die Hingabe an den Glauben in der Einsamkeit an, die der Gründer des Klosters damals praktizierte – und schon ist der Kopf frei!

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