Laotisches Barbecue, halb Grill, halb Suppe

Ein Gericht, bei dem die Gäste um den Feuertopf herumsitzen, dessen Rand mit Brühe gefüllt wird und dessen gewölbte, geschlitzte Oberfläche als klassischer Grill für dünne Fleisch- und Fischstücke genutzt wird. Geheizt wird mit einem durch den Tisch reichenden Trichter mit Holzkohle, auf dessen oberem Rand das Barbecuekochgeschirr, halb Topf, halb Pfanne, sitzt. Nicht jedermanns Sache ist es, wenn 5-6 Gäste ihre eigenen Stäbchen nutzen, um Zutaten in die Suppe zu geben und sie nach dem Garen wieder mit denselben Stäbchen entnehmen und zum bzw. in den Mund führen. Mein laotisches Barbecue zu Hause ist in dieser Beziehung nicht authentisch (aber hygienisch)

Jede Menge marktfrischer Gemüse und Kräuter sowie dünne (Reis-)Nudeln oder auch ein Ei werden in der Brühe gegart. Hierzulande gibt es viele dieser Kräuter, Blätter und Wurzeln in Asialäden zu kaufen. Schließlich soll es beim laotischen Barbeuce bleiben und keine deutsche Gemüsebouillon werden

Im wahrsten Sinn des Wortes Hinterhofatmosphäre: Durch einen schmalen Gang und an einer kleinen, urigen Küche vorbei findet man den Weg zum für sein Barbecue bekanntes Restaurant im Herzen von Luang Prababang. Gut zu sehen, dass neben westlichen Touristen auch asiatische Besucher und eine Menge Einheimischer zu Gast sind

In der kleinen Küche wird die Brühe vorgekocht und die Chilis und der Knoblauch werden für die Dips kleingeschnitten und mariniert. Diese werden in kleinen Schälchen neben die Feuerstelle am Tisch gestellt und wahlweise auf den begleiteten Klebreis, das Gargut oder beides gegeben und verleihen dem ohnehin schmackhaften Essen noch einen besonderen Bums

Ja, die Chilis in Laos. Da sowohl die laotische Beschriftung als auch die interessanten Namen der verschiedenen Sorten dem deutschen Reisenden nicht viel – besser gar nichts – sagen, bleibt nur das vorsichtige Probieren der verschiedenen Sorten übrig. Mit etwas Glück hilft der Reiseleiter weiter, die groben Schärfekategorien zu erkennen. Bei dem großen Angebot auf den Märkten reift nicht nur die Chilischote, sondern auch die Idee eines „Scoville-O-Meters“. Kaum gedacht, kommt abends beim Googlen der Frust, ein solches Gerät gibt es bereits

Asien ist berühmt für seine Garküchen, Laos ist da keine Ausnahme: Suppen werden gerne den ganzen Tag köcheln gelassen und werden mehr und mehr zu einer geschmackvollen Grundlage für die portionsweise zugegebenen Gemüse-, Soja-, Fleisch-, Fisch- und Kräutersorten. Meistens wird in Laos Klebreis zu den Suppen gereicht, die mit den überall in Asien bekannten Soßen (süß-sauer, Soja, süße Chilis usw.) gewürzt werden

Fisch in allen Größen und Sorten gibt es reichlich auf den einheimischen Märkten. Zum Teil etwas abenteuerlich muten die langsam schmelzenden Eisstangen, betagte Eimer und blutigen Arbeitsplatten an, wo der i.d.R. noch lebende Fisch für den Kunden geschlachtet und ausgenommen wird

Ähnlich wie beim Fisch verhält es sich mit dem Fleisch. Nicht nur, aber auch bei Innereien gibt es ein Stelldichein von Hunderten bis Tausenden von Fliegen. Bei Außentemperaturen von mehr als 30°C und kaum niedrigeren Temperaturen im Inneren der offenen Markthallen erwecken die einfachen Fliegenwedel der Standbetreiber Marke Eigenbau eher Mitleid als Anerkennung

Ein Klassiker auf asiatischen Märkten sind immer wieder Hühnerfüße. Kaum eine Auslage lockt deutschen Touristen, davon mehr als 90% Frauen, mehr Abscheu hervor als mehrstöckig übereinander geschichtete Reihen von Hühnerfüßen.

Einer meiner Allzeit-Highlights ist das Bild von drei, vier nebeneinander stehenden Asiaten morgens um 8 Uhr bei über 30 Grad und mehr als 90% Luftfeuchtigkeit vor einer Straßenküche stehend, während sie in Sojasauce geschmorte Hühnerfüße seitlich vor den Mund halten und Kralle für Kralle mit nach vorne gestreckten Vorderzähnen abnagen, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt

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