Zwischen Chile und Polynesien – Die Osterinsel

Moais – das ist für viele der Inbegriff der Osterinsel, wie hier die Ahu Akivi, die an die 7 Kundschafter des ersten Königs der Osterinsel erinnern und – anders als alle anderen der über 900 Moais – auf das Meer und nicht in das Landesinnere schauen

Ahu Nau-Nau ist eine Gruppe von 7 Moais, davon sind 5 noch erhalten. Wie fast alle Moais wurden auch diese, die als älteste auf der Insel gelten, im 20. Jahrhundert renoviert – 500-800 Jahre nach ihrer Errichtung in einem lokalen Steinbruch Rano Raraku

Die ersten Moais, die die meisten Besucher der Osterinsel zu Gesicht bekommen, sind die der Ahu Tahai-Gruppe direkt bei ihrer „Hauptstadt“ Hanga Roa, dem einzigen Ort auf der Insel mit ca. 8.000 Einwohnern. Wie bei allen anderen Moais ist Berühren strengstens verboten, und Reihen von Steinen sind für allgegenwärtige Tour-Guides – de facto Aufpasser – und Touristen klare Grenzen zum Schutz der einmaligen Statuen

Hier stehen auch zwei einzelne Moais, u.a. der einzige mit – originalgetreu restaurierten Augen, Ko Te Riku, aus weißem Korallenkalk, schwarzem Vulkangestein und roter Schlacke. Er trägt auch den Pukao, die aus rotem Vulkangestein (Scoria) gefertigte Kopfbedeckung

Das Städtchen Hanga Roa ist ein ruhiger Küstenort, Zentrum und Ausgangspunkt für schlichtweg alles auf der Insel. Der Flughafen liegt praktisch am Stadtrand und ist nur 5 -10 min vom Zentrum entfernt. Die Rollbahn genügt internationalen Standards, schließlich werden die einzigen Linienflüge auf das Festland mit großen Boeing 787, Dreamlinern, absolviert, die voll beladen rund 300 Passagiere befördern und 230-250 Tonnen auf die Waage bringen. Entsprechend nimmt sie fast die ganze Breite der Insel ein

Neben dem Tourismus mit derzeit rund 100.000 Touristen pro Jahr sind Fischerei und Landwirtschaft die Hauptwirtschaftszweige der abgelegenen Insel. Güter jeder Art müssen per Containerschiff und Umladen auf See mangels Hafenanlage oder per Flugzeug nach Rapa Nui, dem einheimischen Namen der Insel, gebracht werden. Entsprechend „exklusiv“ ist die Osterinsel – nicht nur wegen ihrer Abgelegenheit, Schönheit und kulturellen Bedeutung

Die Beschränkung der Touristenzahlen ist freiwillig und wird von den Inselbewohnern vorangetrieben. Sie soll den wenigen von den Ureinwohnern abstammenden und den anderen Bewohnern, die durch Durchmischung mit Seefahrern aus Südamerika, verschiedenen Eroberern und Aussiedlern vom Festland geprägt sind, die angestrebte Rückbesinnung auf ihre Traditionen ermöglichen

Meer, leichter Wind, niedrige Vegetation und überall Gesteinsbrocken vulkanischen Ursprungs sind das typische Landschaftsbild außerhalb Hanga Roas, z.B. auf dem Weg zu ursprünglichen Siedlungen der Ureinwohner, kurz hinter dem Flughafen, wenige km außerhalb des Zentrums

Von den ersten Siedlungen der Ureinwohner (Rapa Nui, die zwischen 800 und 1.2000 n. Chr. aus Polynesien kamen und die Insel nach sich benannten) ist nicht viel übriggeblieben. Durch die Anordnung einzelner Lavasteine in Ovalen und Kreisen kann man auf Grundrisse von Behausungen für Menschen und Tiere schließen

Andere Clans der Ureinwohner nutzten eher natürliche, wenig geräumige Lavasteinhöhlen. Hinweise auf Behausungen aus Holz, Stroh usw. wie in anderen Teilen Polynesiens finden sich nur in Überlieferungen

Die Ahnenverehrung durch die Clanführer und der symbolische Schutz der Bevölkerung waren Gründe für den zu der damaligen Zeit mit den damaligen Mitteln extrem anspruchsvollen Bau und Transport der Moais, wie hier in Tongariki, wo 15 Statuen auf der rituellen Plattform stehen, allerdings zum großen Teil ohne die traditionelle Kopfbedeckung, Pukao, aus rotem Vulkangestein, dem Scoria

Der „Nabel der Welt“ auf dem Ahu Te Pito Kura ist ein mächtiger, fast perfekt kugelrunder Basaltstein, „Te Pito o Te Henua“ mit angeblich besonderer, energetischer Wirkung. Die isolierte Osterinsel gilt als Nabel des Pazifik, und die Ureinwohner Rapa Nui betrachteten sie in aller Bescheidenheit auch als Nabel gleich der ganzen Welt

Der Ranu Raraku ist ein Vulkan, aus dessen Gestein die Moaifiguren herausgemeißelt wurden. Noch heute stehen und liegen dort rund 400 nicht fertig gestellte Moais. Zum Teil ragen ihre Oberkörper aus dem Boden – ein Hinweis auf die Art und Weise ihrer Herstellung und für den späteren, stehenden Transport der zwischen 4 m und 20 m hohen und 12 bis 270 Tonnen schweren Kolosse. Bei den liegenden Kolossen vermutet man, dass sie beschädigt und umgefallen oder umgefallen und dann beschädigt worden sind und nicht vollendet wurden

Ebenfalls aus einem Steinbruch, dem Puna Pau, stammen die traditionelle Kopfbedeckungen, Pukao. Diese als Hüte oder Zöpfe interpretierten Kunstwerke sind aus roter Vulkanschlacke gefertigt, die an der Luft aushärtet, dem Scoria-Gestein. Die größten Pukao messen ca. 2,5 m im Durchmesser und wiegen bis zu 10 Tonnen. Entsprechend bewundernswert ist ihr Transport und das Hieven zu den bzw. auf die teilweise über 10 m hohen Moais vor Hunderten von Jahren

Gesteine auf der Osterinsel sind überwiegend vulkanischen Ursprungs und wurden wegen ihrer unterschiedlichen Farbe und Härte für die verschiedenen Teile der Moais verwendet. Tuffstein ließ sich gut mit einfachen Werkzeugen zu den Körpern bearbeiten. Die Pukaus wurden aus roter Vulkanschlacke gefertigt. Harter Basalt war das Material der Ahus, der Plattformen, auf denen die Moais stehen. Weitere lokale Gesteine sind u.a. Obsidian und Trachit

Der Ahu Huri A Urenga ist eine alleinstehende Skulptur auf Privatbesitz und die einzige, die 4 – nicht allzu gut sichtbare – Arme hat. Deren Bedeutung ist verloren gegangen. Die Bedeutung des Moai an sich ist eine astronomische Uhr. Seine leicht gewinkelte Position erlaubt die genaue Bestimmung der Wintersonnenwende

Szenenwechsel zu das für mich beeindruckendste Stück Landschaft auf der Osterinsel: Der Rano Kau Kratersee bei Orongo, dem Zeremoniendorf und Zentrum des auf die Moais folgenden Vogelmannkults. Er misst stattliche 1,5 km in der Breite, ist 200 m tief und einer uralten Spezies Schilfgras bewachsen, das den Ureinwohnern u.a. für den Bau ihrer Boote nutzten. Ein traumhafter Blick!

Ca. 50 Steinhäuser des Vogelmannkultdorfs Orongo zieren die Spitze der steilen Klippen an der Südwestseite der Insel

Sie dienten bei dem Wettbewerb der Stammeskrieger als Unterkunft, bei dem es darum ging, die Klippen herabzuklettern, zu einer vorgelagerten Insel zu schwimmen, dort das erste Ei des Jahres der Rußseeschwalbe zu finden und sicher an Land zu bringen. Der Sieger verhalf seinem Clanchef zur „Regierung“ der Insel für ein Jahr und genoss fortan höchstes Ansehen

Die 3 vorgelagerten Inseln sind Moto Nui (die äußerste und größte Insel), Moto Iti (die mittlere Insel) und Moto Kao Kao (die Felsnadel). Sie liegen bis zu 1,5 km vor der Küste der Hauptinsel. 3 km Schwimmen, Klettern und ein zerbrechliches Ei ohne Hilfsmittel sicher an Land zu bringen – Respekt!

Zahlreiche Felsgravuren mit Motiven des Vogelmannkults (Vogelmann, Ei, Fruchtbarkeitssymbole) finden sich überall auf der Osterinsel, aber gehäuft um den Ort Orongo. Der Kult löste das Moaizeitalter ab und wurde bis 1862 praktiziert, als Missionare, Sklavenhändler und Konflikte zwischen Clans nach der massiven Abholzung der Insel gleich mehrfaches Elend über die Insel brachten: Entführungen, tödliche Krankheiten wie Pocken und Tuberkulose und ein erheblicher Rohstoffmangel. Zeitweise blieben nur noch weniger als 10% der ursprünglichen Bevölkerung übrig

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  1. Wirklich beeindruckend, deine Reise zur Osterinsel, insbesondere natürlich die Moais! Da bekomme ich glatt Lust, dort auch einmal hinzufliegen…

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