Draculawetter in ganz Rumänien

Was dem Urlauber den Spaß am Reisen im übertragenen Sinn verhagelt, schafft andererseits die passende Stimmung beim Besuch Transsilvaniens, Draculas Heimat. Das mystische Transsilvanien entpuppt sich unromantisch aber geschichtsträchtig als nichts anderes als Siebenbürgen, in das man von Bukarest durch die Wallachei gelangt. Nördlich schließt sich die 3. Provinz Rumäniens, Moldau, an. Rumänien im Regen – kein Grund zu verzagen. Die Landschaft wirkt auch so auf uns Besucher

Eine gewundene Straße zieht sich durch die Südkarpaten, die Grenze zwischen der Wallachei und Siebenbürgen. Serpentinen auf der Passstraße eröffnen abwechselnd links und rechts den Blick über die Mischwälder dieses Mittelgebirges, bis der Scheitelpunkt bei ca. 1100 m erreicht ist. Die höchsten Berge in den südlichen Karpaten sind mit ca. 2.500 m hoch und damit 200 m höher als im östlichen Karpatenbogen

Strategisch günstig liegt eine Souvenirbude auf der Passhöhe, die für die bei diesem nasskalten Wetter fröstelnden Urlauber allerlei Honig und Süßwaren bereithält

Der Tauschhandel mit fahlbunten, mit Puderzucker bestäubten Bonbons mit Frucht- oder Kräutergeschmack geht im Reisebus über die nächste Stunde unter ständigem Rascheln von Tüten weiter, während diese Reihe für Reihe nach vorne und dann wieder zurück gereicht werden. Geschmacksache!

Die Besiedlung in den Bergen ist überschaubar. Wegen der guten Luft in der großenteils unberührten Natur werden zusätzliche Wanderwege (der längste davon 1.400 km) angelegt, die Unterkünfte für Naturliebhaber und andere Touristen nach sich ziehen aber auch immer mehr Wochenendtouristen aus Rumäniens Städten anlocken. Bei dem gegenwärtigen, z.T. stark überlasteten Straßennetz wird der Plan nicht aufgehen

Über Stunden im Bus durch herrliche Wälder wird klar, wie groß die Bedeutung der Forstwirtschaft für das Land ist. Rumänien kämpft neben der legalen Forstwirtschaft allerdings auch mit massivem, illegalem Holzeinschlag

Dann wird es „transsilvanisch“. Fast meint man, Fledermäuse und Vampire müssen den eigenen Weg in durch die zerklüftete Nebellandschaft kreuzen. Aber mit dem Kreuz haben es Vampire nicht so. Die Sonne wäre bei diesem Wetter kein Thema

Die Reise nach Norden in die Moldau führt durch die Ostkarpaten mit Bergen bis zu 2.500 m. Auch wenn nicht alle Serpentinen zu sehen sind und z.T. tolle Blicke „vernebelt“ werden, zu spüren sind sie bei dem ständigen Hin und Her des Busses und der wechselnden Gesichtsfarbe des einen oder anderen Mitreisenden. Die frisch gekauften Kräuterbonbons helfen offensichtlich nicht gegen Reisekrankheit
In ruhigeres „Fahrwasser“ gelangen wir beim Roten See auf knapp 1.000 m Höhe, mitten in den Ostkarpaten. 1838 gab es hier massive Erdrutsche, die zum Entstehen dieses (Stau-)Sees und seiner Farbe führten. Neben (eisenhaltigen) Mineralien sollen je nach Quelle auch Rotalgen oder das Blut von Menschen (daher der einheimische Name Mördersee) für die Farbe verantwortlich sein, die je nach Wetter auch ins Bläuliche, Grünliche oder Bräunlich umschlagen kann

Der See ist ein gutes Beispiel für ein schlechtes Beispiel: Entlang des Ufers an der Passstraße haben sich neben dem ursprünglichen, terrassenförmigen Restaurant zahlreiche Buden mit Snacks, Kitsch made-in-China, ein Bootsverleih, ein Kinderkarussell und eine Minieisenbahn mit entsprechenden Farben und Geräuschen angesiedelt. Mit mehr Unterkünften sind mehr Parkplätze und mittlerweile auch ein Supermarkt entstanden. Bergseeidylle war einmal

Schlechtes Wetter hat aber auch einen Vorteil. Der Wanderweg um den See herum ist fast menschenleer, allerdings etwas glitschig. Die wenigen Bänke und Tische entlang des Wegs sind heruntergekommen und ungepflegt. Mein Fazit zu dem See ist negativ

Wer Spaß an intakter Natur, Bergen und Wäldern hat, ist in den rumänischen Karpaten, sowohl im Süden als auch im Osten richtig. Das gilt auch für die Tierwelt, u.a. mit einer Population von 10.000 – 13.000 Braunbären, 2.000 bis 2.500 Wölfen und 1.500 bis 2.000 Luchsen. Entsprechende Vorsicht und Verhaltensmaßregeln sind im eigenen Interesse angebracht

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