Faial: Segler-Mekka, Historie und Wale

Das erste Mal überhaupt sah ich bei einer Walbeobachtung 2 Blauwale und hatte Gelegenheit, einen der beiden riesigen Tier beim Abtauchen zu „erwischen“

Neben der wenig eingekerbten Schwanzflosse ist auch die im Vergleich zum riesigen Körper sehr kleine Rückenflosse ein Indiz zur Identifizierung von Blauwalen, von der schieren Größe „von Anfang bis Ende“ der Wölbung unter oder auf der Meeresoberfläche ganz abgesehen

Die Stimmung an Bord des Jet-Schlauch-Bootes hätte bei dem Glück an diesem Tag nicht besser sein können. Bei Sichtung eines Tieres, überwiegend anhand der Fontänen beim Atmen, rast das Boot in eine verantwortungsvolle Nähe des Wals und wartet auf weiteres Atmen, Ausruhen nach mehreren Tauchgängen oder auf das Abtauchen in Tiefen von 100 m bis 300 m vor den Azoren. Das ist die Gelegenheit, diese Riesen einmal live in der Natur zu sehen

Auf der Rückfahrt von der offenen See zur Küste fuhren wir in imposante Höhlen, die durch Erosion des ursprünglichen Lavagesteins entstanden sind und Lebensraum für bunte Algen und Seevögel bieten

Die Farben in den Höhlen der Küste sind wie bei anderen Lavastein-Formationen auf den Azoren in Vulkanen, Höhlen oder in Lavatunneln auch eine Kombination von Mineralien, Flechten und Algen. Einige Seevögel, überwiegend Möwen, flüchten vor der rauen Küste zum Nisten in diese Refugien. Für Bewegung auf den Wänden sorgen emsig umherhuschende, kleine, rote, allerdings kamerascheue Krabben

Nach der Walbeobachtung von ca. 2,5 – 3 Stunden geht es zurück zum Zentrum Faials, der Stadt Horta mit ihren rund 7.000 Einwohnern, die sich entlang der Küste ausbreitet, aber nur wenig ins Hinterland reicht

Der Yachthafen von Horta ist schon immer ein Segler-Mekka gewesen. Weltumsegler oder solche, die zwischen Europa und Amerika segeln, machen hier gerne Station vor der nächsten großen Etappe,, entweder rund 1.500 km bis 2.000 km nach Europa oder die doppelte Strecke nach Amerika

Es ist Brauch, dass sich die Besatzungen der Segler mit mehr oder weniger von Talent zeugender Street Art bzw. Graffitis an den Kaimauern und entlang der Promenade verewigen. Im Laufe der Zeit ist ein gewaltiges Freilandmuseum entstanden

Im Zentrum Hortas zeugen teilweise intakte, aber auch einige baufällige Klöster und Kirchen, wie hier das Jesuitenkloster, von der Geschichte der Niederlassung zig verschiedener Glaubensrichtungen am Westende Europas

Ebenfalls historisch ist die deutsche Kolonie, neben französischen und englischen Einflüssen, vor allem als Handelsstandorte und während der Verlegung der Telekommunikationskabel zwischen Europa und Amerika am Boden des Atlantik von Bedeutung. Kult sind das lokale Museum und die Kneipe Peter Sport Cafe, ohne deren Besuch der Tourist nicht wirklich auf der Insel war

Einen speziellen Moment bot uns der See am Marktplatz im Zentrum Hortas: Wir wurden Zeuge einer Aufführung des Schwanensees vor ganz natürlicher Kulisse und mit natürlicher Beleuchtung. Ein High-LIGHT der besonderen Art

Letzter Blick zurück auf Horta. Die ausführliche Inselrundfahrt steht an

„Tief im Westen“ Faials (nicht Bochums) und damit Europas treffen wir auf einen Lost Place, einen Leuchtturm, der den legendären Ausbruch des Vulcão dos Capelinhos 1957/ 58 – immerhin 2,5 Quadratkilometer „Neues Land“ schaffend – halbwegs überstand. Die Ruine ist beeindruckend, das darunter liegende Museum über Vulkan- und Faialgeschichte zumindest interessant

Das Nebengebäude gäbe ebenfalls eine tolle Kulisse für Seefahrer-, Piraten-, Grauen-des-Nebels- und andere Filme ab, hinter der die Steilküste und neben dem das „Neue Land“ wartet

Der gewaltige Vulkanausbruch Ende der 1950er Jahre verlängerte und verbreitete den Westen Faials, indem er Schicht um Schicht Vulkangestein anhäufte und mit Geröll und Staub überzog, der eine ganze Siedlung unter sich begrub, deren Häusergipfel allmählich wieder unter dem Vulkanstaub hervorschauen. Wie massiv der Aufbau des „Neuen Landes“ war, zeigt ein steil nach oben führender Halte- und Orientierungszaun für Besucher
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