Land und Leben in Laos

Vientiane, die Hauptstadt von Laos, kommt wenig spektakulär daher. Beeindruckend und ein Hinweis auf die französisch geprägte Kolonial- bzw. Besatzungsgeschichte ist das Patuxai-Unabhängigkeitsdenkmal. Seit Ende der 1960-er Jahre thront es im Stadtzentrum mitten auf dem im Kommunismus üblichen Paradeboulevard (Thanon Xang)

Der Ausblick vom dem Rundgang ist nach 4 Etagen und mehreren Zwischenebenen und ca. 200 Stufen erreicht – kein Kinderspiel bei 37 °C. Vientiane ist in die Breite gebaut, d.h. typische, moderne Hochhäuser für Wohn- und Geschäftszwecke findet man praktisch kaum. Laos hat mit ca. 7 Millionen Einwohnern nur 1/12 der Bevölkerung Deutschlands und nur 3% dessen Wirtschaftsleistung. Warum also protzen, zumal die Staatsverschuldung bei rund 100% liegt?

Pha That Luang gilt als „Staatsstupa“ in Laos, die bedeutendste Stupa des Landes aus dem 16. JH. Im 20. JH wurde sie von Grund auf erneuert und mit ca. 500 kg Gold verziert. Wie in anderen armen Ländern auch, wird nicht gespart, wenn es um Religion und Glauben geht, dem Höchsten Gut vieler Laoten

Gebetstrommel in Pha That Luang. Die Trommeln dienen in buddhistischen Tempeln mehreren Zwecken, hauptsächlich zur Ankündigung der (Mittag-)Essenszeiten der Mönche, zu Kloster- bzw. Tempel-Zeremonien und zum Anrufen der Götter

Gongs wie der in Pha That Luang läuten oft Zeremonien in Tempeln ein. Ihre Bedeutung im Buddhismus ist es, seelische Ungleichgewichte auszugleichen, wie sie im buddhistischen Verständnis z.B. durch Wut, Anhaftung und Unwissenheit entstehen

Traditionelle Handwerkskunst spielt für die einheimische Wirtschaft und den Tourismus eine große Rolle. Die Produktion von Seide aus der Zucht von Seidenraupen ist ein Beispiel, die Färbung von Seide ein anderes. In den kleinen Manufakturen werden ausschließlich – oft selbst hergestellte! – fantastische Naturfarben verwendet, z.B. durch stunden- bis tagelanges Auskochen von Nussschalen, Wurzeln, Blättern, und Blüten

Auch beim Papierschöpfen in Klein- und Kleinstbetrieben wird das Know-How zu Verfahren und Rezepturen von Generation zu Generation weitergegeben und i.d.R. nicht schriftlich festgehalten. Das ist einerseits dem Schutz des Geistigen Eigentums geschuldet, andererseits aber auch ganz praktisch dem Jahrhunderte langen Analphabetismus, der heute noch im ländlichen Bereich weit verbreitet ist, während er in den Städten mittlerweile mehr und mehr verschwindet

Das Seidenweben können Einheimische in einer Mischung aus Schule und Touristenattraktion lernen, die die notwendigen Einnahmen durch den Verkauf toller Seidenteppiche, -schals und -kleidungsstücke erzielt. Dadurch können die Kosten für die angehenden Seidenweberinnen über ihre 2-3-jährige Ausbildungszeit auf ein für sie erträgliches Maß gesenkt werden

Das Herz des Chemikers lacht, wenn er eine lokale Whiskeydestillerie auf einer Insel im Mekong besucht. Mit einfachsten Mitteln destillieren Einheimische Extrakte aus allerlei Getreide und Kartoffeln. Egal, aus welchen Rohstoffen der Brand entsteht, er heißt in jedem Fall „Mekong Whiskey“. Die starke Variante hat gut 40% Alkohol (… hoffentlich nur Ethanol …), die entschärfte um die 20%. Als freundlicher Gast des Landes lautet das Urteil, „es ist alles Geschmackssache“

Erinnerungen an die chinesische Medizin kommen auf, wenn Skorpione, Schlangen und allerlei anderes Getier in Mekong Whiskey eingelegt werden, um allerlei positive Wirkung beim Konsument oder Patient zu erzielen. Optisch sind die Exponate ein Hingucker. Andere Sinne habe ich hier nicht beansprucht

Endlich in der Natur angekommen, fallen mehrere Dinge auf. Es gibt sehr große, überwiegend von „Kleinbauern“ betriebene Plantagen von einheimischen Früchten und Getreide, z.B. Bananen und Zuckerrohr, oft in der Nähe von Flüssen gelegen. So kommen die Pflanzen seit Jahrhunderten durch die ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten

Wie überall in Asien werden junge Reispflanzen in Becken gesetzt, die durch sehr einfache, aber in ihrer Wirkung ausgeklügelte Kanäle aus aufgehäufter Erde mit Wasser gefüllt und nach dem Setzen der Jungpflanzen vom Wasserzufluss abgetrennt werden. Diese Bewässerungssystem gehen bis ins 3. Jahrtausend vor Christus zurück. Anderswo sind bis zu 3 Reisernten pro Jahr möglich, in Laos i.d.R. nur 2, vermutlich eine Folge der intensiven, langen Trockenzeit

In der Mitte und im Norden von Laos wird es bergig bis gebirgig. Dank vieler Flüsse, u.a. Seitenarme der Lebensader von Indochina, dem Mekong, wirkt die Flora gesund. Tolle, ja mystische Bilder ergeben sich, wenn Wolken über die Berge ziehen, speziell in der Dämmerung

Einige wenige Wasserfälle entlang von Wanderstrecken laden zum Ausruhen oder Baden ein. Ein besonderes Vergnügen ist es, in der Gruppe mutigen, aber ansonst wasserscheuen, jungen Asiaten bei Gang in das Wasser zuzuschauen und zuzuhören, gibt es doch jede Menge Quietschlaute. Auch die Bademode gesetzterer, asiatischer Herrschaften bleibt wegen Farbe, Muster und Schnitt in Erinnerung

Am Ufer des Mekong, ca. 1 h Fahrt bzw. ca. 25 km mit dem Boot entfernt nördlich von Luang Prabang, führen viele in den Fels gehauene Stufen zu der einzigartigen Höhle Tham Loum, in die Tausende Gläubige kommen, um zu beten und einen Buddha hierher zu bringen. Tausende von Buddhas aus Holz, Stein, Metall usw. haben sich im Lauf der Zeit hier oder in der 200 m – und entsprechend vielen, nichtdeutscher Normstufen – höher gelegenen Höhle Tham Theung

Neben den Städten wie Vientiane und Luang Prabang prägen in weiten Teilen Laos‘ vor allem ursprüngliche Dörfer mit einfachen Holzhütten und Wellblechdächern das Bild. Schnell wird klar, warum Laos auf der Liste der am wenigsten entwickelten Länder geführt wird und was ein Durchschnittseinkommen von 200-300 USD pro Monat bedeutet. 70% aller Laoten haben weniger als 7 USD pro Tag zur Verfügung einschließlich der vergleichsweise gut verdienenden Stadtbevölkerung

In Städten wie Luang Prabang (hier) oder Vientiane prägen neben Kleintransportern vor allem 2 Verkehrsmittel das Bild, Mopeds und Tuk Tuks, die alles Erdenkliche transportieren und von einem namensgebenden, knatternden Zweitaktmotor angetrieben werden.

Der Almosengang der Mönche von Luang Prabang beginnt frühmorgens. Ab ca. 5.30 Uhr ziehen Mönche aus den über 30 (!) Klöstern der Stadt durch die Gassen und sammeln die Verpflegung für den „Tag“ in ihren urnenförmigen, an der Schulter getragenen Behältnissen. Streng genommen, reicht die Verpflegung aus Klebreis, Obst und Gemüse für einen halben Tag, denn ab 12 Uhr dürfen die Mönche bis zum nächsten Morgen nichts mehr essen – Intervalldiät in Reinform

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