Termez – An der Grenze zu Afghanistan

Ganz im Süden von Usbekistan an der Grenze zu Afghanistan liegt Termez. Obwohl viele Sehenswürdigkeiten in der 2.500 Jahre alten Stadt an der Seidenstraße auf uns warten, ist ein Blick in das berühmt-berüchtigte Afghanistan schon etwas Besonderes

Unweit der Grenze zu Land und zu Wasser – der Fluss Amu Darja ist nach wie vor die Grenze zwischen beiden Ländern – beginnt das große Gelände des Sultan Saodat Komplexes mit u.a. dem Al-Hakim-at-Termizi-Mausoleums

Zwischen dem 11. und 17. JH gebaut, war und ist der Komplex eines der wichtigsten religiösen Zentren im Süden Usbekistans. Heute ist der Islam die dominierende Religion. Zu den Hochzeiten des Austauschs von Waren, Kultur und Religion entlang der Seidenstraße spielten Hinduismus und Buddhismus eine große Rolle in dieser Region

Der Sultan Saodat Komplex erstreckt sich über 4 Hektar, besteht aus 143 Strukturen wie Moscheen, Mausoleen und Chudschras und brauchte 600 Jahre bis zu seiner Vollendung. Chudschras waren Unterkünfte für Derwische/ Däwische, arme, im Sufismus dem Glauben eng verbundene Menschen auf der Suche nach innerer Einkehr

Das eigentliche Mausoleum steht ein wenig abseits des gewaltigen Komplexes und beeindruckt sowohl durch seine Architektur mit den allgegenwärtigen Portalen („Iwans“), Minaretten/ Türmen, Kuppeln, Bogenfenstern und Arkaden als auch im Inneren …

Besonders verdiente religiöse, militärische und politische Würdenträger wurden – nicht nur in dieser Anlage – oft neben dem eigentlichen Mausoleum begraben

Der Unterschied zum prunkvollen Sarkophag des Abu Abdullah al-Hakim at-Termizi im Inneren in einer reich verzierten „Nische“ ist gewaltig. Der Begriff „Nische“ ist zwar richtig, wird aber ihrer großen Dimension und Aura kaum gerecht

Auch die anderen Räume und Flure in diesem Mausoleum sind prächtig gestaltet. Man kann nur bewundern, wie zu Zeiten des Baus der Anlage (1.-3. JH) gebaut und verziert werden konnte und welche Techniken und Materialien damals schon genutzt wurden

Allgegenwärtig sind die blauen Verzierungen an Moscheen, Mausoleen und Koranschulen in Zentralasien. Die dunkelblaue Farbe kommt von Kobaltoxid, und die (viel später entwickelte) hellblaue Farbe wird durch Kupferoxid bewirkt. Die Metalloxide wurden Glasurmassen aus Quarz und Ton vor dem Brennen beigemischt und hielten oft mehrere Jahrhunderte, trotz teilweise extremer Hitze und UV-Strahlung

Der restaurierte Fayaz Tepa Komplex aus dem 1.-3. JH war im alten Zentralasien (Baktrien) ein bzw. das buddhistische Zentrum der Region. Baumaterial waren überwiegend Lehmziegel und Lehm als Verkleidung der Wände und der Stupa, der charakteristischen Kuppel der Anlage

Die Attraktivität des Handelsplatzes an der Seidenstraße mit Transporten auf Wegen und Flüssen zog immer wieder Feinde an wie Sassaniden und Araber, die die Anlage im 3. JH und im 5.-6. JH fast völlig zerstört

In den 1960er Jahren wiederentdeckt und zum Großteil ausgegraben, wurde die Anlage als UNESCO Projekt erst Anfang des Jahrtausends aufwändig restauriert, wobei – gemäß Weltkulturerbe-Regeln – so weit wie irgend möglich Originalmaterialien verwendet wurden

Lehm war bei der Errichtung und Restaurierung das Material der Wahl, zumal der nahe Grenzfluss in dieser heißen Region immer genügend Wasser führte, für Bauzwecke oder mittels dieses Kanal- und Stausystems für die Bewirtschaftung der Anlage

Die quadratische Anlage Kirkkiz mit einer Grundfläche von rund 54 m x 54 m ist als Festung der 40 Jungfrauen bekannt. Der Erzählung nach verteidigte eine Prinzessin mit 40 Mädchen diese Festung gegen Nomaden – allerdings gibt es auch andere Annahmen über den Zweck der Anlage, z.B. als Derwischkloster, Medrese, Karawanserei oder Palast

Auch diese Anlage wurde bzw. wird noch aufwändig restauriert, allerdings mit vielen Nicht-Original-Materialien. Die Originalstrukturen aus Lehm waren statisch nicht stabil genug, was zum Verfall der Anlage führte. Die Restaurierung ist ein Kompromiss zwischen Erhalt dieses Kulturgutes und dem Verzicht auf Anerkennung als Weltkulturerbe, da es eben nicht ausschließlich mit Originalmaterialien gerettet wird

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