Die Schlucht von Derbent in Usbekistan

Zwischen Termez und Buchara geht es ins Gebirge, um die Derbent-Schlucht und das gleichnamige Dorf zu besuchen. Der spektakulärste Blick in der rund 8 km langen Schlucht geht entlang der schmalen Straße und den bis zu 400 m hohen Felswänden

Entlang der Schlucht fließt ein in den umliegenden Bergen entsprungener Fluss, der nicht nur bei heißem Wetter etwas zu kühlen scheint, sondern auch das Bergdorf Derbent mit frischem Wasser guter Qualität versorgt

Manche Formationen, wie Köpfe und Gesichter, scheinen von Menschen gemacht zu sein, sind aber reine, durch Erosion über Millionen Jahren entstandene Naturprodukte

Links und rechts von der Schlucht führen rudimentäre Wanderwege ins Gelände, die die einen oder anderen Knie, Sprunggelenke oder Hüften der Besucher strapazieren, aber sehr schöne Blicke auf die „Nebenschauplätze“ der Schlucht erlauben

Das Gestein ist überwiegend Kalkstein, der über Jahrmillionen von dem Fluss und durch ihn beförderte Steine zum Canyon und Nebenschluchten geformt wurden. Durch mineralische Beimischungen, z.B. Eisen (daher auch der einheimische, alte Name für die Schlucht „Eisernes Tor“), weist der Kalkstein diverse Farbnuancen wie schwarz, ocker und cremefarben auf

Entlang der Schlucht gegenüber einer Quelle ist eine kleine Moschee, die von (einheimischen) Besuchern und den wenigen Bewohnern in den kleinen Siedlungen in der Nähe genutzt wird

Die Kombination aus Flusswasser, mitgeführten „Mahlsteinen“, Härte und Material des vorhandenen Gesteins führen zu zahlreichen Formen und Mustern in diesem Teil des Hissar-Gebirges, wie hier ca. 1/2 m hohe Schichten

An anderen Stellen sind 2-3 m hohe terrassenartige Gebilde in mehreren Schichten übereinander entstanden

Etwa eine Viertelstunde von der Schlucht mit 6-sitzigen Minibussen, wegen ihrer Kastenform auch Brötchen genannt, ist der kleine Bergort Derbent mit ca. 5.000 Einwohnern (Genaueres ist nicht einmal dort bekannt) entfernt

Im Ort und in der Umgebung geht es gemächlich zu. Großen Wohlstand gibt es nicht, aber auch wenig zivilisationsbedingten Stress. Findige Einwohner bauen erste Gästehäuser, die – wie im ganzen Ort – zumindest zeitweise über fließendes Wasser und Strom verfügen. Die besten Ventilatoren in stickigen Zimmern helfen allerdings ohne Fenster und bei Stromausfall in der schwülen Nacht herzlich wenig

Weiter geht es entlang des Hissargebirges in Richtung Buchara
Kilometerweit zieht sich die hügelige, im Sommer ausgetrocknete Steppenlandschaft mit nur ganz wenigen Dörfern und einigen freilaufenden Weidetieren

In der Nähe von Städten stoßen wir auf Baumwollfelder, Fluch und Segen zugleich für Usbekistan. Große Traktoren erledigen heutzutage die Arbeit, die um 1850 in größerem Maßstab begann und zu Zeiten der Sowjetunion in riesigen Monokulturen verrichtet wurde

Usbekistan gehört zu den größten Baumwollproduzenten der Welt und bezahlt einen hohen Preis dafür: Da Baumwolle extrem viel Wasser braucht, Flüsse umgeleitet wurden und mittlerweile teilweise erschöpft sind, fließt kaum noch Wasser in den Aralsee, der heute nur noch zu ca. 10%, aber zu 90% eine mit Chemikalien (Dünger, Pflanzenschutzmittel) verseuchte Salzwüste ist

Obwohl es mindestens schon mindestens „20 Minuten nach 12 Uhr ist“, beginnt ein Umdenken für diesen wirtschaftlich sehr bedeutenden Zweig in Usbekistan. Denkbar ist eine Reduzierung des Anbaus von Baumwolle für den Eigenbedarf des Landes. Wie (wirtschaftlich) tragfähig der Vorschlag ist, erscheint mir zweifelhaft
No responses yet